Symposium 2011 - Referate
 
lic. phil. Luis Manuel Falcato, Forschungsleiter Evaluation und Forschung, Poliklinik Zokl 1, ARUD Zürich
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Prof. Dr. Marie-Luise Angerer, Kultur- und Medienwissenschaftlerin, Hochschule für Medien Köln
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Prim. Dr. Rainer Gross, Chefarzt Sozialpsychiatrische Abteilung, Landesklinikum Hollabrunn, freie Tätigkeit in Wien
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lic. phil. Luis Manuel Falcato, Forschungsleiter Evaluation und Forschung, Poliklinik Zokl 1, ARUD Zürich
«Du nix verstehn? Vom Sinn der Sinnhaftigkeit in Zeiten der Neurobiologie»

Ziel des Referates ist eine Einführung in grundlegende theoretische Konzepte und ihre Bedeutung für eine angemessene Berücksichtigung kultureller Aspekte in der Suchtarbeit. Zunächst wird eine Annäherung an den Kulturbegriff vorgenommen, welcher einerseits holistisch im Sinne Edward Taylors aufgefasst werden kann und sich andererseits in einer Gegenüberstellung zur Natur und zur Struktur bestimmen lässt, sowie das Konzept der symbolischen Konstruktion der Wirklichkeit vorgestellt. Danach werden Zusammenhänge von Kultur, Drogen, Gesundheit und Krankheit beleuchtet. Zur Illustration der Implikationen dieser Grundlagen für eine angemessene Berücksichtigung kultureller Aspekte in der suchtmedizinischen Praxis werden drei unterschiedliche Ansätze aufgezeigt: Kulturspezifische Angebote, kulturtypische Gestaltung und die individuelle Berücksichtigung der symbolischen Bedeutungsebene. Abschliessend wird dem Publikum die Möglichkeit geboten, das Gesagte anhand von Fallbeispielen zu diskutieren.
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Prof. Dr. Marie-Luise Angerer, Kultur- und Medienwissenschaftlerin, Hochschule für Medien Köln
«Du musst glücklich sein!
Sucht, Sehnsucht und das Phantasma der Unmittelbarkeit»

Glücklich-Sein, Sich-Wohlfühlen und mit seinem Körper zufrieden sein wird in den Medien – Werbung, Fernsehshows (Casting-Shows), Filmen – und in Kunst gleichermaßen inszeniert. Doch was diese Bilder alle verheimlichen, ist die Arbeit an diesem Glück – und das Ausmaß, wofür jeder Einzelne in der Gesellschaft inzwischen verantwortlich geworden ist. Jeder ist zuständig für das Unkontrollierbare, noch in der Zukunft Liegende und Nichtbeeinflussbare, für seine genetische Zusammensetzung wie für seinen Phänotyp. Niemand nimmt dem einzelnen diese Verantwortung mehr ab: weder Gott noch Staat, weder Schule noch Familie, weder Politik oder Philosophie.
Was dem einzelnen geblieben ist, und wir können dies in seiner pervertiertesten Dimensionen – dem Organhandel – am besten erkennen, ist der eigne Körper. Ein Körper, der allerdings ein Eigenleben hat, Krankheiten produziert, Fähigkeiten aufgibt, der mehr kann als er zu erkennen gibt, der das Einzige ist, was wir sind, und der gleichzeitig nicht fremder sein könnte.
Dieser Spalt – in Philosophie und Psychoanalyse gleichermaßen Ur-Trauma des Subjekts – wird medial verlötet, affektiv ignoriert und in post- und transhumanen Entwürfen als überwindbar erklärt. Sucht und Sehnsucht greifen dabei ineinander.
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Prim. Dr. Rainer Gross, Chefarzt Sozialpsychiatrische Abteilung, Landesklinikum Hollabrunn, freie Tätigkeit in Wien
«Der Traum vom "Immer mehr": Schuld, Scham und Sucht in Darren Aronofsky's Film "Requiem for a Dream"»

Aronofsky verfilmte 2000 Hubert Selby's Drogen-Epos "Requiem for a Dream". Wir erleben den Weg vonvier ProtagonistInnen (eine Mutter, ihr Sohn, dessen Partnerin und dessen Freund) in die Sucht.
Aronofsky zeigt drastische, aber überhaupt nicht "schicke" oder verlockende Bilder verschiedenster Abhängigkeiten inklusive Amphetamin-Psychose, aber auch nichtsubstanzgebundenes Suchtverhalten (TV-Sucht etc.)
Durch filmische Stilmittel wie den rhythmus-betonten Schnitt, Farbgebung und Soundtrack etc. bietet Aronofsky einsowohl visuell beeindruckendes Schauspiel als auch einen guten Ausgangspunkt für viele Fragen im Zusammenhang mit Sucht(-Entwicklung).
Das Referat versucht, filmische und psychoanalytische Gesichtspunkte bei der Interpretation dieses Kinofilms zu integrieren.
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